Das die Musikindustrie in ihrer aktuellen Form eine aussterbende Spezies ist hatte ich ja bereits
an dieser Stelle geäußert. Ein Artikel im Spiegel vom 22.03. unterstützt diese These noch viel mehr: dort wird über eine Software berichtet, die in der Lage ist, Musik auseinander zunehmen. Bisher ist man davon ausgegangen, dass man Musik, sobald sie zusammengemischt ist, nur schwer bis gar nicht wieder in die einzelnen Instrumente und Töne zerlegt werden kann. Die im Artikel vorgestellte Software tritt den Gegenbeweis an: einzelne Instrumente werden herausgefiltert, können komplett eigenständig bearbeitet werden, und hinterher wieder in die Komposition eingefügt werden - und zwar auf Basis einer zusammengemischten Aufnahme, wie z.B. von einer CD oder einer MP3-Datei.
Noch ist die Software im Beta-Stadium und wird sicherlich in naher Zukunft zunächst nur Verwendung in Tonstudios finden, was uns wahrscheinlich noch mehr Synthetik-Sound und beliebig austauschbare Musik aus den Lagern der Musikgiganten bescheren wird. So gesehen wird die Anwendung zur Implosion beitragen und sie beschleunigen, um dann irgendwann als für jeden verfügbar zu reüssieren und damit die Verwendung und Gestaltung von Musik auf ähnliche Weise zu revolutionieren, wie es Digitalfotografie und Photoshop im Bilderbereich bereits getan haben.
Man mag es bedauern, dass wir so gesehen in einer Flut von Musik enden werden wie wir heute bereits im Bildersturm überbeansprucht werden. Mein Bedauern über die Musikindustrie als solches hält sich jedoch in extrem engen Grenzen - es kann nur besser werden.